Der Beitrag von internationalem Jugendaustausch zur transnationalen Solidarität in einer globalisierten Welt war Thema der Europäisch-Afrikanischen Fachkonferenz von 6. bis 8. Mai 2019 in Bonn. Die Konferenz wurde von Engagement Global, France Volontaires und NOREC, den jeweils für internationale Bidlungsarbeit und Engagement zuständigen Institutionen in Deutschland, Frankreich und Norwegen, gemeinsam veranstaltet. Sie brachte politische Entscheidungsträger von der europäischen und afrikanischen Ebene mit Alumni aus internationalen Freiwilligendiensten und Jugendaustauschprogrammen sowie zivilgesellschaftliche Akteure aus sieben afrikanischen und sieben europäischen Ländern zusammen. Gemeinsam wurden Erfahrungen ausgetauscht und über die Potenziale und Herausforderungen für internationale Solidarität durch Jugendaustausch gesprochen.
Unter dem Begriff der Reziprozität (Wechselseitigkeit) wurde in mehreren Beiträgen intensiv über Chancen und Hemmnisse für einen partnerschaftlichen Austausch diskutiert. Wie kann Reziprozität gelingen und warum ist sie so wichtig? Darunter fielen Fragen zu finanziellen Ressourcen, politischem Willen und der für langfristiges Engagement notwendigen Infrastruktur. Außerdem wurde die Frage nach den historisch bestehenden Machtasymmetrien zwischen Europa und Afrika vor dem Hintergrund von Jugendaustausch und in Bezug auf transnationale Solidarität kritisch reflektiert. Um von der Geber-Nehmer-Mentalität wegzukommen und zu echter Solidarität zu gelangen, so der allgemeine Konsens, ist eine breitere Definition von Ressourcen notwendig. Diese sollte über finanzielle Aspekte hinausgehen und den Beitrag aller Partner zum Gelingen von partnerschaftlichem Austausch berücksichtigen. Hierzu zählen beispielsweise interkulturelle Kompetenzen, spezifisches Kontextwissen, kulturelle Vielfalt und Diversität.
Erfahrungen und unterschiedliche Herausforderungen wurden in dem von ehemaligen Freiwilligen konzipierten und durchgeführten Workshop thematisiert. Hervorgehoben wurde, dass das Engagement von Alumni sehr vielfältige Formen annehmen kann und insbesondere Freiwillige aus dem sogenannten Globalen Süden bei ihrer Rückkehr mit hohen Erwartungen ihres Umfelds konfrontiert werden. Des Weiteren wurde darauf hingewiesen, wie wichtig Angebote und unterstützende Strukturen zur Vernetzung von Alumni sind.
Auf der Fachkonferenz wurden viele interessante regionale bis internationale Netzwerke für die weitere Umsetzung erschlossen. Aya Chebbi, Jugendbotschafterin der Afrikanischen Union, erklärte in ihrer Rede: „[…] um das Ziel des Austauschs und der internationalen Freiwilligenarbeit zu erreichen, sollten wir auch Raum für Unerwartetes lassen und das, was entstehen könnte, einfach unterstützen und pflegen.“ In diesem Sinne freuten sich die Organisatorinnen und Teilnehmenden über die vielen Ideen, die im Rahmen der Konferenz aufkamen und versicherten auch in Zukunft Raum für „Unerwartetes“ zu ermöglichen.